Merkur – der Gott der Diebe und Wucherer

Charon und Merkur

Der Fährmann jener Unterwelt,
Herr Charon, war sehr reich; in vier-, fünftausend Jahren
Kann sich ein Fährmann viel ersparen,
Zumal ein Wirt wie er, der kein Gesindel hält,
Der weder isst noch trinkt, nicht in die Schenke gehet
Und keinen Rock gebraucht, seit er im Amte stehet.

Es fasste Charon den Entschluss,
Sich in Elysium ein Grundstück anzukaufen,
Wozu gut Geld man haben muss;
Hingegen war sein Sold in Kupfer eingelaufen.

Einst, als er auf dem Styx nach frischen Seelen fuhr,
Wandt’ er sogleich sich zu Merkur
Und bat ihn, einen Teil von seinen großen Schätzen
Auf unsrer Oberwelt in Silber umzusetzen.

Der Gott des Handels und der Diebe
Tat es dem Charon auch zuliebe,
Er nahm den Plunder an und wandte seinen Flug
Nach Deutschlands Grenzen hin, woselbst er einst bei Nachte
Den Scheidemünzenwust in die Gewölbe trug
Und lauter Silbergeld dafür dem Charon brachte.

Seit dieser schlimmen Nacht hat sich das Kupfergeld
Zu Millionen eingefunden,
Die Drittel aber sind verschwunden
Und wuchern in der Unterwelt.

Magnus Gottfried Lichtwer

 

Charon scheitert

Dieses Energiegeladene fehlt dem Charon auf dem Ölgemälde von Ronald Paris vollkommen. Der Diener des Pluto ist hier seiner Sagenwelt entrissen. Angesichts dessen, was sich um ihn abspielt, ist er vor Entsetzen wie zur Salzsäule erstarrt. Ratlos, verbittert, fragend wendet er sich scheinbar an den Bildbetrachter. Er bewegt das Ruder nicht, um das Boot zu retten, sondern stützt sich darauf, damit er nicht selbst stürzt. Er ist untätig. Er bestimmt das Schicksal der Todgeweihten nicht, sondern ist auch einem drohenden Tod ausgeliefert. Das Drama, das sich hier vollzieht, ist durch ihn nicht mehr zum vorbestimmten Ende zu führen. Die Götter und ihre Diener können nichts mehr lenken.

aus junge Welt von (Maria Michel)

https://www.jungewelt.de/2016/04-02/052.php?sstr=Charon

https://www.jungewelt.de/serveImage.php?id=81020&type=l&ext=.jpg

 

Und noch ein Gedicht zum Thema

Merkur und Amor

Zu dem Merkur sprach einst der Gott der Liebe:
„Du bist der Gott der Krämer und der Diebe
Und der Beredsamkeit. Mein Freund,
Wie hast du alles das vereint?
In so verschiedenen Revieren
Mit Glück und Ehre zu regieren,
Dazu gehört Geschicklichkeit,
Dazu gehören seltne Gaben.“

„Ja“, sprach Merkur, „und sie haben
Braucht es Erfahrung, Müh und Zeit.
Erst war ich nur der Handelschaft zu dienen
Vom Vater Jupiter ernannt.
Die Diebe fand ich unter ihnen,
Und sie vertrauten mir ihr Land.
Doch einst von beiden Nationen
Lernt´ich, dem Reich der Redner vorzustehn,
Die Kunst, die Wahrheit fein zu schonen
Und fein die Welt zu hintergehen.“

Johann Heinrich Merck

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